In diesen Wochen starten die Sommerferien. Viele Familien, Singles, Gruppen usw. machen sich auf den Weg in die Ferien. Ob nah, ob fern – Hauptsache weg und raus aus dem Alltag! Ist Urlaub und damit einhergehend das Verreisen zur Erholung das Normalste von der Welt?

Klar ist schon mal, dass – auch heute noch – viele zuhause bleiben (müssen), weil das Geld einfach nicht reicht. Unser Wissenssnack informiert, seit wann es so etwas wie Urlaubsanspruch gibt und weitet darüber hinaus den Blick, welche sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen mit dem Tourismus verbunden sind.

Bis zum 19. Jahrhundert
Bis ins 17. Jahrhundert war das Reisen in Mitteleuropa den pilgernden Geistlichen und jungen Adligen vorbehalten, die auf zwei- bzw. dreijährige Bildungsreisen, die sogenannte Grand Tour, gingen. Nur etwa ein Prozent der Menschen in Mitteleuropa reiste – mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von fünf bis sieben Stundenkilometern in Pferdekutschen. An jeder Fürstentumsgrenze wurde Wegezoll fällig. Reisen waren teuer, langwierig und strapaziös.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich mit dem Einsetzen der industriellen Revolution, dem Aufkommen der Eisenbahn und dem Herausbilden des Bürgertums mit seinen Beamten und höheren Angestellten eine Frühform des heutigen Tourismus. England war wie so oft Vorreiter, wo Thomas Cook 1841 – vereinfacht ausgedrückt – die erste Pauschalreise mit dem Zug anbot. In Deutschland ging es für den wohlgeborenen Teil der Bevölkerung von der Stadt aufs Land in die Sommerfrische – jedes Jahr an den gleichen Ort. Weiterhin war das aber Reisen ein absoluter Luxus – und Adel und Bürgertum blieben weitgehend unter sich.

20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert, zuerst in der Weimarer Republik (1919-1933), wurde in Deutschland ein Urlaubsanspruch von drei bis sechs Tagen eingeführt, der den Weg zum Erholungsurlaub ebnete. Erste proletarisch-touristische Initiativen entwickelten sich, wie die Naturfreunde oder der Reisedienst des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Nun erhielten auch weniger Betuchte die Gelegenheit, Erholungsreisen zu unternehmen. Seit der NS-Herrschaft (1933-45) bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 waren die Nationalsozialisten mit ihrer KdF-Organisation der weltweit größte Reiseveranstalter, und auch private Veranstalter kamen auf den deutschen Markt.

Ab 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg mit aufkommendem Wirtschaftswunder entwickelte sich die Bundesrepublik Deutschland schrittweise zu einem agilen Reiseland. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit dem privaten PKW in die deutschen Mittelgebirge, an die Nordsee oder in die Alpen, oder gar darüber hinaus nach Italien. Seit den 1970er Jahren eröffnete der Flugverkehr, erst langsam, seit den frühen 1990er Jahren immer schneller, neue Perspektiven – vor allem am oder jenseits des Mittelmeers. Mallorca ist seitdem zweisprachig und galt zwischenzeitlich als 17. deutsches Bundesland.

In der DDR (1949-90) gab es einen staatlich kontrollierten und subventionierten Urlaubsdienst, der gutes Verhalten und politische Konformität belohnte. Für die DDR-Bevölkerung ging es vor allem an die heimische Ostsee und in die eigenen Mittelgebirge; beliebte ausländische Reiseziele waren später – je nach politischer Lage – Polen, Ungarn, die CSSR und Bulgarien. Wenige Privilegierte reisten per Kreuzfahrtschiff nach Kuba.

Gegenwart
Und heute? Der Trend geht zum weiter, öfter, kürzer – aber auch zum differenzierteren und immer individuellerem Reisen. Günstige Flugverbindungen und Visa-Freiheit in vielen beliebten Urlaubsländern führen zu immer häufigeren Geschäfts- wie Privatreisen bei immer kürzeren Reisezeiten.

Mehr Info in den Beiträgen „Tourismus verändert die Welt“ und „MeckPomm, Malle oder Madagaskar„.

Quelle:
Friedrich-Ebert-Stiftung Online Akademie